Testberichte/Literatur zum Thema Porsche 964 RS:
(Bericht aus dem Porsche-Magazin "Christophorus" Nr. 232 / Heft 4.1991)
Die sportliche Attraktivität und der Publikumserfolg des Carrera Cups haben den neuen 911 Carrera 2 in den Mittelpunkt des Interesses aktiver Sportfahrer gerückt. Zum ,,Cup", der,,ersten Liga" des Porsche-Markenpokals, kam inzwischen die ,,Carrera Trophäe", deren Punktbeste im nächsten Jahr im Cup starten können. Beide Rennserien werden ausschließlich mit Katalysator ausgetragen. Nicht weniger groß ist das Interesse am markenübergreifenden Motorsport. Um ihn zu fördern, legte Porsche eine Serie von zunächst 1000 Fahrzeugen mit 191 kW/260 PS-Motor auf, die bis Jahresende 1991 fertiggestellt werden und für 1992 eine Homologierung nach dem Reglement ,,N/GT" (seriennahe Sportwagen) ermöglichen.
Wegen der großen Kundennachfrage hat sich Porsche entschlossen, dieses
Fahrzeug bis zum Ende des Modelljahres 1992 weiterzubauen. Der Carrera RS ist
ein voll straßenzugelassener Sportwagen, der mit wenigen vom Reglement
vorgeschriebenen Modifikationen im Rennen eingesetzt werden kann. Da der
Rennzweck Priorität hat, ist
die Komfortausstattung auf ein Minimum beschränkt. Wegen der notwendigen
Gewichts-
ersparnis entfallen zahlreiche elektrische Verbraucher und ihre Zuleitungen;
eine spätere Umrüstung auf das Ausstattungsniveau des serienmäßigen Carrera
2 ist aufgrund des gewichtsreduzierten Kabelbaumes nicht möglich. Das Fahrwerk
wird gegenüber der Serie um 40 mm tiefergelegt. Es ist in Federung und Dämpfung
für den Renneinsatz ausgelegt, bietet jedoch ausreichend Fahrkomfort auf
normalen Verkehrsstraßen.
Die 17 Zoll-,,Cup"-Räder - zur Gewichtsersparnis in Magnesium
hergestellt - haben vorn die Dimension 7,5J x 17 mit Reifen 205/50 ZR 17 und
hinten 9J x 17 mit 255/40 ZR17. Der Carrera RS hat eine exakte und direkte
Sportlenkung ohne Servo,
die Hochleistungs-Bremsanlage mit Teilen aus dem 911 Turbo und dem Cup Carrera
ist
für Rennbeanspruchung ausgelegt. Bei aller gewichtsgünstigen Bauweise ist der
Innenraum nicht spartanisch, sondern in porschetypisch sportlichem Design
gestaltet. Anders als im Cup-Carrera sorgen ein Dachhimmel und ein Teppichboden
für ein Mindestmaß an Wärme- und, Geräuschisolierung, eine Rücksitzanlage
ist nicht vorhanden.
Die körperfreundlich geformten Sitzschalen und die Sicherheitsgurte sind auf
die Außenfarbe abgestimmt, sie lassen den Sportzweck ebenso deutlich erkennen
wie das kleine Vierspeichenlenkrad (360 mm Durchmesser) mit aufgedicktem
Lenkradkranz und
die einfachen Türtafeln mit Öffnerschlaufe, Zuziehgriff und manueller
Fensterkurbel.
Die Außenspiegel sind manuell einstellbar. Ein Radio mit zwei Lautsprechern
kann
eingebaut werden. Zur auf Wunsch lieferbaren vorgeschriebenen Sicherheitsausrüstung
für die Gruppe N/GT gehören ein Überrollkäfig, Sechspunkt-Gurte für Fahrer
und Beifahrer, Feuerlöschsystem und Batterie-Notschalter.
Der vom Carrera 2 übernommene 3,6 Liter Sechszylinder-Boxer-Doppelzündungsmotor leistet mit ausgewählten Kolben und Zylindern sowie durch Anpassung an den Kraftstoff Super Plus (98 Oktan) 191 kW/260 PS bei 6100/min. Das hohe Drehmoment von 325 Nm wird bei einer Drehzahl von 4800/min erreicht. Auch diese Leistungswerte kennzeichnen den Carrera RS als ein voll straßentaugliches Sportfahrzeug mit auf professioneller Erfahrung beruhenden Voraussetzungen für den Renneinsatz.
02.01.04