Testberichte/Literatur zum Thema Porsche 964 RS:
Die frappante Nähe zum Rennsport zeigt sich vor
allem in deutlich reduziertem Gewicht. Während der serienmäßige Carrera 2
immerhin knapp 1400 Kilogramm auf die Waage bringt, läßt der RS es mit
1230, also 170 Kilogramm weniger, bewenden. Die Abmagerungskur ist das
Ergebnis einer radikalen Entrümpelung, der so Überflüssiges wie
elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Alarmanlage, Klimaanlage,
elektrische Sitzverstellung, Servolenkung, Rücksitze und ein Großteil des
Dämmaterials zum Opfer fielen. Dafür sinkt der Fahrer in einen tiefen,
lederbespannten Schalensitz, in dem ihm ähnlich viel Bewegungsfreiheit wie
in
einem Schraubstock zugestanden wird, und der für
Zeitgenossen mit Übergewicht eine erste, schwer zu überwindende
Hürde darstellen dürfte.
Die Zielrichtung des neuen RS verdeutlicht auch schnell ein Blick auf das äußere Erscheinungsbild. Die Karosserie ist um 40 Millimeter tiefer gelegt. Der RS trägt die 17-Zoll-Alu-Räder des Turbos (richtig: Magnesium) und vorn auch dessen üppig bemessene Bremsanlage mit innenbelüfteten Scheiben von 322 Millimeter Durchmesser.
An der Hinterachse kommen die Bremsen aus dem
Cup-Carrera zum Einsatz.
Der RS rollt vorn auf 205/50er- und hinten auf dicken
255/40er Sohlen, die auch im Hinblick auf die Homologation in der Gruppe
N/GT gewählt wurden. Das RS-Paket umfaßt darüber
hinaus straffere Federn und Stoßdämpfer mit sportlicherer Kennlinie. Mit
der modifizierten Motorelektronik des Cup Autos leistet der
Sechszylinder-Boxer im Carrera RS 260 PS.
Der charakterliche Abstand zum Serien-Carrera 2
entspricht etwa dem wie zwischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde (!): Schon
das dumpfe Brüllen des Sechszylinders im Heck reicht allein, um sich dem
Grenzbereich mit Respekt zu nähern.
Die Leistungsentfaltung des wie befreit agierenden
Sechszylinders ist schlicht sensationell. Die kräftigen Anschlüsse beim
Hochschalten, bei denen der RS förmlich nach vorne schnellt, sind Indiz für
eine Leistungskurve, die im unteren und
mittleren Drehzahlbereich wie aufgeblasen zu sein scheint. Die werksseitig
angegebenen Fahrleistungen (0 auf 100 km/h in 5,4
Sekunden, (richtig: 5,2s)
Höchstgeschwindigkeit 260 km/h) wirken nach der
ersten Kontaktaufnahme, die leider nur auf der völlig unter Wasser
stehenden Rennstrecke in Zolder möglich war, allerdings drastisch
untertrieben. V.S.
02.01.04